Germany
June 29, 2026
The number of plant species in many ecosystems in Europe has grown rather than shrunk over the last 100 years. However, this is not necessarily cause for celebration as this local increase is primarily due to generalists and non-native species, which compete with the original native species. Moreover, the overall number of species has not increased across Europe. These were the findings of an international research team led by Martin Luther University Halle-Wittenberg (MLU). In its latest study, published in the scientific journal “Nature Communications”, the team analysed more than 57,000 time series of plant biodiversity across various habitats in Europe.
The new study’s starting point was a typical, seemingly contradictory observation in biodiversity research: “It is well known that biodiversity is changing at the global level, with species being displaced or going extinct. However, these changes are not always so readily apparent at the local level, where the number of species may even increase initially,” explains Dr Stephan Kambach, an ecologist at MLU, who led the study along with Dr Ute Jandt and Professor Helge Bruelheide.
Working with researchers from a total of 21 countries, the three scientists produced the first detailed Europe-wide analysis of how local plant biodiversity has changed over the past 100 years. To do this, the team used more than 57,000 so-called vegetation-plot time series, in other words, systematic surveys of plant communities carried out repeatedly over a long period of time at the same location. The data was also categorised according to habitat and how it has changed over time; specifically, whether a habitat has remained stable, has changed naturally, or has been disrupted by human activity. “Our analysis is the largest study to date on the changes to Europe’s local plant communities. In addition to identifying general trends in various aspects of plant biodiversity, we have been able, for the first time, to provide detailed information about most European habitat types,” explains Helge Bruelheide.
Over the last century, the number of species has risen by an average of 0.2 per cent per year in Europe. However, there were significant variations depending on the habitat. The biggest changes were observed in wetlands and marshlands, particularly where these habitats had been disturbed or overgrown by trees and shrubs. In contrast, the changes were much less pronounced in grasslands. “We saw that, on the local scale, there are actually more plant species than there used to be. But on closer inspection, these were mainly generalists and non-native species. This increase is therefore not a sign of an intact habitat but often an indication of precisely the opposite,” says Kambach. Adaptable generalists have the ability to displace native specialist and rare plants over the long term. This is supported by another finding: the total number of species found across all areas of a given habitat type in Europe has not increased, despite the arrival of new species. “Species displacement and extinction are slow processes that can only be observed and documented over long periods of time,” adds Kambach. If the trends observed by the researchers continue into the future, species numbers could decline even in areas where populations are currently stable.
“Our study would not have been possible without the decades of data collected by botanists from across Europe. It also highlights how important the continuous, Europe-wide monitoring of local plant communities is,” says Ute Jandt. She coordinates the Europe-wide project “MOTIVATE” at MLU. The project is funded by the European Commission and various national research funding bodies as part of the Biodiversa+- partnership. Project partners are from Rostock (Germany), Oulu (Finland), Brno (Czech Republic), Vienna (Austria), Oviedo (Spain), as well as Bologna and Rome (Italy).
Study: Kambach S. et al. Habitat-specific trends in taxonomic, functional, and phylogenetic diversity in European plant communities over a century. Nature Communications (2026). doi: 10.1038/s41467-026-72112-5
Pflanzenvielfalt in Europa: Warum mehr Pflanzenarten kein Grund zur Entwarnung sind
In vielen Ökosystemen Europas ist die Zahl der Pflanzenarten in den vergangenen 100 Jahren eher gewachsen als gesunken. Das ist allerdings keine gute Nachricht: Dieser lokale Zuwachs kommt vor allem durch Generalisten und gebietsfremde Arten zustande, die mit den ursprünglich heimischen Arten konkurrieren. Zudem ist die Artenzahl europaweit nicht angestiegen. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Für seine neue Studie im Fachjournal „Nature Communications“ wertete es die mehr als 57.000 Zeitreihenaufnahmen der verschiedenen Lebensräume zur Pflanzenvielfalt in Europa aus.
Die neue Studie setzt an einer typischen, scheinbar widersprüchlichen Beobachtung der Biodiversitätsforschung an: „Dass sich die Artenvielfalt global gesehen verändert und dass Arten verdrängt werden oder aussterben, ist bekannt. Wenn man jedoch auf lokaler Ebene schaut, ist dieser Wandel oft nicht so einfach ersichtlich oder die Artenzahl nimmt sogar zunächst zu“, sagt der Ökologe Dr. Stephan Kambach von der MLU. Er leitete die Studie gemeinsam mit Dr. Ute Jandt und Prof. Dr. Helge Bruelheide.
Gemeinsam mit Forschenden aus insgesamt 21 Ländern erstellten die drei erstmals eine europaweite Analyse darüber, wie sich die lokale Pflanzenvielfalt in den vergangenen 100 Jahren im Detail verändert hat. Dafür nutzte das Team mehr als 57.000 sogenannte Vegetations-Zeitreihen, also systematische, über einen längeren Zeitraum wiederholte Erfassungen von Pflanzengemeinschaften am jeweils selben Ort. Zudem wurden die Daten nach Lebensraum und dessen Veränderung im Laufe der Zeit gegliedert; je nachdem, ob ein Habitat stabil geblieben ist, sich auf natürliche Weise verändert hat oder durch menschliche Eingriffe gestört worden ist. „Unsere Analyse ist die bisher größte Studie zur Veränderung der lokalen Pflanzengemeinschaften Europas. Neben den generellen Trends in verschiedenen Aspekten der Pflanzenvielfalt können wir erstmals detaillierte Einsichten zu einem Großteil aller europäischen Lebensraumtypen geben“, sagt Helge Bruelheide.
Im Durchschnitt stieg die Artenzahl auf europäischen Flächen im vergangenen Jahrhundert um 0,2 Prozent pro Jahr. Allerdings gab es je nach Lebensraum große Unterschiede. Die stärksten Veränderungen zeigten sich in Feuchtgebieten und Mooren, und zwar vor allem dort, wo diese Lebensräume gestört oder von Gehölzen überwachsen wurden. In Grünländern waren die Veränderungen dagegen deutlich geringer. „Wir sehen, dass auf kleinen Flächen tatsächlich mehr Pflanzenarten gezählt werden als früher. Aber wenn man genauer hinschaut, sind das vor allem Generalisten und gebietsfremde Arten. Dieser Zuwachs ist daher kein Zeichen für einen intakten Lebensraum, sondern oft das Gegenteil“, sagt Kambach. Vielmehr könnten heimische spezialisierte und seltene Pflanzen von anpassungsfähigen Generalisten langfristig verdrängt werden. Dazu passt ein weiterer Befund: Die Gesamtzahl aller Arten, die man auf allen Flächen eines Lebensraumtyps in Europa gefunden hat, ist trotz der Einwanderung neuer Arten nicht gewachsen. „Artenverdrängung und Aussterben sind langsame Prozesse, die sich nur über sehr lange Zeiträume beobachten und nachweisen lassen“, sagt Kambach weiter. Wenn sich die von den Forschenden beobachteten Trends langfristig fortsetzen, könnte die Artenzahl auch in Gebieten mit heute noch stabilen Zahlen abnehmen.
„Unsere Studie wäre ohne die jahrzehntelangen Erhebungen von Botanikern aus ganz Europa nicht möglich gewesen. Sie zeigt auch, welchen Wert ein kontinuierliches, europaweites Monitoring lokaler Pflanzengemeinschaften hat“, sagt Ute Jandt. Sie koordiniert an der MLU das europaweite Projekt „MOTIVATE“, das im Rahmen der Biodiversa+-Partnerschaft von der Europäischen Kommission und mehreren nationalen Forschungsförderorganisationen finanziert wird. Beteiligt sind Partner aus Rostock, Oulu (Finnland), Brünn (Tschechien), Wien (Österreich), Oviedo (Spanien) sowie Bologna und Rom (Italien).
Originalpublikation:
Studie: Kambach S. et al. Habitat-specific trends in taxonomic, functional, and phylogenetic diversity in European plant communities over a century. Nature Communications (2026). doi: 10.1038/s41467-026-72112-5
https://doi.org/10.1038/s41467-026-72112-5