Germany
July 24, 2026
Zertifiziertes, nachhaltigeres Soja etabliert sich in weiten Teilen der deutschen Veredelungswirtschaft zum allgemeinen Standard, heimische Eiweißfuttermittel sind gefragt und die Wartezeit bis zum Inkrafttreten der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR) nutzen viele Unternehmen, um ihre eingerichteten Rückverfolgbarkeitssysteme zu testen. Diese und weitere positive Entwicklungen vermelden die Mitglieder des Forums Nachhaltigere Eiweißfuttermittel (FONEI) in ihrem 3. Fortschrittsbericht.
Der Bericht umfasst den Zeitraum 2024 bis 2025 und stellt die Erfolge und Herausforderungen für mehr Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette von Eiweißfuttermitteln vom Acker bis zum Teller vor.
"FONEI als Multi-Stakeholder-Plattform bringt unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen der Branche zusammen und entwickelt so ganzheitliche Lösungsansätze weiter. Diese sind als strategisch sinnvoll, gesellschaftlich tragbar und zukunftsfähig zu bewerten", fasst Dr. Margareta Büning-Fesel, Präsidentin der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), den Mehrwert des Forums zusammen. Die BLE betreut das FONEI in der Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).
Qualitätsstandard "SojaPlus" als Meilenstein der Futtermittelbranche
Verarbeitungs- und Handelsakteure des FONEI berichten von der großflächigen Einführung des QS-Branchenstandards "SojaPlus", der seit Anfang 2024 für QS-zertifizierte Futtermittelhersteller und -händler verpflichtend ist. Damit können Nachhaltigkeitsanforderungen in Bezug auf Soja in weiten Teilen der deutschen Veredelungswirtschaft (Schwein, Geflügel, Rind) standardisiert umgesetzt werden. An der Entwicklung dieses Zusatzmoduls der QS Qualität und Sicherheit GmbH waren FONEI-Mitglieder maßgeblich beteiligt.
Die Implementierung der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR), ihre zeitliche Verschiebung und die damit einhergehenden Unsicherheiten prägten den Berichtszeitraum. Viele Akteure nutzten diese Zeit für Testläufe ("Dry Runs") und die Anpassung von Rückverfolgbarkeitssystemen, wie beispielsweise dem Deforestation and Conversion Free (DCF) Implementation Toolkit.
Trends zu heimischen Eiweißfuttermitteln weiter unterstützen
Die Anbaufläche von Körnerleguminosen (Erbse, Ackerbohne, Sojabohne, Lupine) stieg bis 2025 auf rund 300.000 Hektar und lag damit bei etwa 2,6 Prozent der Ackerfläche – zusammen mit den feinsamigen Futterleguminosen (Klee, Luzerne) bei knapp sechs Prozent. In ihrem aktuellen Fortschrittsbericht bekräftigen die FONEI-Mitglieder, sich weiterhin für Maßnahmen einzusetzen, die zu einer Erhöhung des Leguminosenanteils auf deutschen Ackerflächen beitragen. Im Jahr 2030 soll dieser laut Positionspapier bei zehn Prozent liegen.
Für einen erfolgreichen Anbau heimischer Eiweißfutterpflanzen bedarf es entsprechender Absatzmöglichkeiten. Hierzu trägt die Industrie bei, indem sie in regionale Verarbeitungslinien investiert. So betreibt beispielsweise eine Ölmühle in Rheinland-Pfalz eine solche für regional erzeugte Sojabohnen; diese Verarbeitungslinie kam für die Sojaernte 2024 erstmals voll zum Tragen und stellt damit eine weitere attraktive Vermarktungsoption dar.
Zur Schaffung von Markt- und Preistransparenz für heimische Körnerleguminosen und um die landwirtschaftliche Praxis beim Anbau zu unterstützen, haben wissenschaftliche Institute und Verbände, die Mitglieder des FONEI sind, digitale Tools wie beispielsweise das öffentliche Dashboard "LeguDash" etabliert.
Herausforderung: Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit
Die große Herausforderung für die kommenden Jahre ist es, trotz des enormen Preisdrucks auf den Märkten, den Transformationsprozess hin zu nachhaltigeren Eiweißfuttermitteln gemeinsam und wirtschaftlich tragfähig für die gesamte Wertschöpfungskette voranzutreiben. Die FONEI-Mitglieder beschäftigen dabei die Fragen, wie die langfristige Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Eiweißquellen gelingt, insbesondere bei hohem Preisdruck in der Fleisch- und Milchvermarktung, wie Transparenz bis auf die Anbauflächen von importierten Rohstoffen verlässlich gewährleistet werden kann, wie eine faire Verteilung des administrativen und finanziellen Mehraufwands bei erhöhten Nachhaltigkeitsansprüchen entlang der Wertschöpfungskette gelingt, welche Anstrengungen in der Forschung nötig sind und ob die Erkenntnisse in der Praxis ankommen.
Hintergrund
Im FONEI sind 48 Unternehmen, Verbände, Organisationen, wissenschaftliche Einrichtungen und Behörden aus den Bereichen Landwirtschaft, Umweltschutz, Beratung, Futtermittel- und Lebensmittelproduktion sowie Lebensmittelhandel vertreten. Davon sind 25 Akteure reguläre Mitglieder und 23 assoziierte Mitglieder.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen und der aktuelle Fortschrittsbericht sind verfügbar unter https://www.eiweissforum.de/fortschrittsberichte-des-fonei .