Germany
July 28, 2016
Auch der Raps bildet leider keine Ausnahme. Rapserträge von über 50 dt/ha sind die absolute Ausnahme. Und wer mehr als 40 dt/ha erntet, kann sich sehr zufrieden schätzen. Häufig werden aus der Praxis Ernteerträge zwischen 30 und 40 dt/ha genannt. Und auch Erträge von unter 25 dt/ha sind keine Seltenheit.
Was sind die möglichen Gründe?
Für eine detaillierte Analyse ist es noch zu früh, dennoch gibt es eine Vielzahl von Beobachtungen aus der Praxis:
- Im Herbst startete der Erdfloh-Fraß auf einem geringeren Niveau als im Vorjahr, durch den fehlenden Winter zog sich die Eiablage aber länger hin. Gefährlicher waren aber die Wurzelschäden durch die Maden der Kohlfliege. Sie haben das Wurzelsystem geschwächt und anfälliger für die „Fußkrankheiten“ Verticillium und Phoma gemacht.
- In ganz Deutschland herrschten im November und Dezember nie dagewesene hohe Temperaturen mit Wachstum, aber auch anhaltendem Krankheits- und Schädlingsdruck.
- Der Winter stellte in Teilen Vorpommerns durch den abrupten Temperaturabfall zum Jahreswechsel eine Herausforderung dar.
- Der Februar erschwerte mit Nässe die Andüngung, und auch im März und April kam das Wachstum nicht wie gewohnt in Schwung. Viele Bestände blieben relativ kurz und bildeten zu wenig Masse. Und während es im Osten zu trocken blieb, war es im Süden und Westen eher zu nass. Gerade gute Böden im Süden und Westen haben im Mai/Juni unter Staunässe gelitten.
- Der Schädlingsdruck im Frühjahr wurde noch überwiegend als „beherrschbar“ eingestuft. Zur Reife und wurden dann aber massive Schäden durch die Kohlschotenmücke sichtbar. Und auch in den Stoppeln wird erst jetzt deutlich, dass die Stängelrüssler verbreitet wesentlich stärker geschädigt haben als zunächst vermutet.
- Zur Abreife limitierte im Juni fehlende Sonneneinstrahlung die Kornfüllungsphase. Und auch mehrere Hitzewellen mit Temperaturen über 30°C stressten die Bestände.
- Erst bei der Ernte wurde sichtbar, wie viele Rapse im Wurzel- und Stängelbereich geschädigt waren. Und auch die Schwere der Wurzelschäden liegt auf dem höchsten Niveau seit vielen Jahren. Vor allem in Süddeutschland hat Sclerotinia teilweise massiv zugeschlagen. Verbreitet sind Phoma und Verticillium zu finden, in Norddeutschland auch Kohlhernie.
- Auch optisch gut aussehende Rapse mit grünen Stängeln haben die Erwartungen nicht erfüllt. Übereinstimmend wird über ein kleines TKG berichtet. Dies deckt sich mit vielen Meldungen zu schwachem Hektolitergewicht aus dem Getreidebereich.
Bei der Bewertung dieser Beobachtungen wird schnell klar, dass es nicht die eine Ursache für die verbreitet schwächeren Rapserträge gibt. Vielmehr kamen im Jahresverlauf in jeder Rapsanbauregion Deutschlands mehrere dieser Faktoren in unterschiedlichster Konstellation zusammen. Am härtesten traf es dabei die Rapsanbauer in Mecklenburg-Vorpommern mit starken Kohlfliegenschäden im Herbst, gefolgt von Frostschäden. Die ersehnte Regeneration der geschädigten Pflanzen fiel der stressigen Frühjahrswitterung zum Opfer, und am Ende haben Schädlinge und Pilze den Ertrag noch weiter dezimiert.
Welche Erfahrungen lassen sich aus dem Problemjahr ableiten?
Zunächst einmal bleibt festzustellen, dass sich das vergangene Anbaujahr erheblich von den vorangegangenen Jahren unterschied. Auch wenn im Jahresverlauf die meteorologischen Jahreswerte nicht einmal allzu stark vom langjährigen Durchschnitt abweichen, mussten doch zahlreiche meteorologische Stressphasen inklusive Trockenheit, Nässe, Hagel und Hitze durchlaufen werden.
Aufgrund des unerwartet warmen Novembers und Dezembers hätten zusätzliche Fungizidmaßnahmen im Spätherbst nützlich sein können. Wo vereinzelt aus verschiedenen Gründen noch sehr spät behandelt wurde, deuten sich bessere Erträge an.
Bei Sclerotinia war ein starker Befall zu finden. Auch bei den Blütenbehandlungen waren daher leistungsstarke Fungizide und hohe Aufwandmengen angebracht. Da die meisten Sclerotinia Infektionen spät erfolgten, waren spätere Anwendungstermine tendenziell besser. Für den im Süden starken und lang anhaltenden Krankheitsdruck hätten aber 2 Behandlungen erfolgen müssen, um den gesamten Blühverlauf abzusichern.
Die Herbstschädlinge sind durch den Wegfall der insektiziden Beize schwieriger zu kontrollieren. Hier kann eine gute Ackerhygiene und gute Bestellung Linderung verschaffen.
Beim Rapsglanzkäfer sei aber auch gesagt, dass dieser Schädling noch vor einigen Jahren vor allem im Fränkischen und Schwäbischen massive Schäden verursacht hat, in der abgelaufenen Saison aber beherrschbar aufgetreten ist. Alle Schädlinge unterliegen so einer Populationsdynamik, eine Vorhersage für das kommende Jahr ist daher noch nicht möglich. Der Wegfall des Insektizids Biscaya kurz vor der Blüte erschwerte aber die Bekämpfung der Blütenschädlinge. Die Kohlschotenmücke trat erst später auf und wurde, wenn bei der (frühen) Blütenbehandlung ein Insektizid mit eingesetzt wurde, noch nicht mit erfasst.
Trotz aller Diskussion um Schädlinge und Krankheiten gab es auch Bestände, die relativ unbeschadet durch das Anbaujahr gekommen sind. Aber auch hier sind die Erträge meist geringer als erhofft. Das kleinere TKG zeigt an, dass die Witterung im Frühjahr limitierend war und dann unterdurchschnittliche Einstrahlung im Juni die Umlagerung in die Körner behindert hat.
Welche Sorten zur kommenden Aussaat?
Auch oder gerade nach einem schwierigen Jahr steht Ertragssicherheit hoch im Kurs. Und die lässt sich am sichersten mehrjährig und überregional beurteilen. Langjährige positive Erfahrungen in Bodenbearbeitung, Saattermin oder Sorte stellen trotz der diesjährigen Turbulenzen ein hohes Gut dar.
Auch wenn es nicht immer zu Spitzenergebnissen reicht, ist AVATAR auf vielen Betrieben auch 2016 eine sichere Bank. Guter konstanter Ertrag, hohe Ölgehalte, frühe Abreife und sehr gute Druschfähigkeit zeichnen AVATAR seit Jahren aus und haben die Sorte zur Nummer 1 im Anbau gemacht.
PENN als Ertragssieger des Vorjahres drischt auch unter den schwierigen Bedingungen 2016 in Praxis und Versuchen wieder weit vorn. Eine effiziente Stängelumlagerung und ein kräftiges Wurzelsystem haben dafür gesorgt, dass PENN die meisten Stressbedingungen des Jahres gut weggesteckt hat. Die Strohabreife erfolgt relativ gesund, da PENN eine gute Widerstandskraft gegenüber Verticillium zeigt. Aktuell wurde PENN im Merkmal Reifeverzögerung vom Bundessortenamt sogar auf die Note 5 (mittel) vorgestuft.
RAFFINESS überzeugt insbesondere durch mehr Winterhärte und Rlm7-Phomaresistenz. Als beste Sorte in Frühsaatenversuch 2016 (Rel. 107; LLG Sachsen-Anhalt, 26.07.2016) eignet sich RAFFINESS insbesondere für frühe und optimale Saattermine. Hier kann RAFFINESS auch den hohen Ölgehalt sicher umsetzen.
Beide Neuzulassungen BENDER und NIMBUS legen in ihrem ersten LSV-Jahr einen hervorragenden Einstieg hin und empfehlen sich für die breite Praxis. Sie bestätigen ertraglich den optisch kräftigen und gesunden Eindruck, den sie bereits bei zahlreichen Feldtagen in diesem Frühjahr hinterlassen haben. BENDER ist die einzige Sorte Deutschlands mit den offiziellen Bundessortenamt - Höchstnoten 3 x 9 für Kornertrag, Ölertrag und Ölgehalt und zeigt sich dieses Jahr stressstabil.
Das Segment der Kohlhernie-resistenten Sorten wird aktuell von der Sorte MENTOR dominiert. Als neue, etwas frühere Alternative steht MENHIR in den Startlöchern. MENHIR ist vom Bundessortenamt zudem im Kornertrag höher eingestuft. Dennoch bleibt es bei der Empfehlung, den Anbau zur Schonung des Resistenzgens auf Befallsflächen zu beschränken. Denn ohne Befall zeigt die neue RAPOOL Genetik mit PENN, BENDER oder NIMBUS auch in diesem Jahr klar die besseren Erträge.